Wie sind Sie zu dem Projekt „Cross-Border Air Rescue“ gekommen und was ist Ihre Aufgabe?
Als Ärztlicher Direktor der Klinik Niebüll war ich zumindest teilweise in die Standortdiskussion um die Verlegung des Hubschrauberstandortes von Itzehoe nach Niebüll eingebunden. Der Rettungshubschrauber sollte grenzüberschreitend eingesetzt werden. Selbst im zusammenwachsenden Europa keine Selbstverständlichkeit. Es bestanden von der Klinik und der Region selbst traditionell gute Beziehungen zu unseren dänischen Nachbarn. Schon längere Zeit vorher hatten meine Notarztkollegen und ich mit der bodengebundenen Notfallrettung im südlichen Dänemark begonnen. Einige Kollegen, die jetzt in Dänemark tätig sind, haben vorher in Kliniken in Schleswig-Holstein gearbeitet oder sogar in Niebüll selbst. Auf der Grundlage des bestehenden grenzüberschreitenden Brückenschlages, habe ich mich insbesondere um die weitere Entwicklung regionaler Kontakte, z. B. im Bereich kommunaler Entscheidungsträger und zu den diversen Kliniken, gekümmert. Außerdem nehme ich, gemeinsam mit dem Kollegen Armonies von dänischer Seite, die ärztliche Leitung des Luftrettungszentrums Niebüll der DRF wahr.
Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Klinik Niebüll?
Die Zusammenarbeit mit der Klinik Niebüll als Standortkrankenhaus ist gut, aber natürlich noch ausbaufähig. So leistet die Klinik gelegentlich Hilfestellung im technischen Bereich. Zwei ärztliche Kollegen aus der Anästhesie-Abteilung des Hauses sind direkt am Flugbetrieb beteiligt. Das ermöglicht die kurzfristige Besetzung des Hubschraubers bei z.B. krankheitsbedingtem Ausfall eines Kollegen. Die Versorgung mit Medikamenten und Verbandsstoffen erfolgt demnächst über die Apotheke des Klinikums. Wir als Klinik geben Hilfestellung bei der Organisation von Fortbildungsveranstaltungen, stellen Räume zur Verfügung. Die Klinik übernimmt selbstverständlich auch Patienten, die von „Christoph Europa 5“ z. B. von den Inseln auf das Festland zur Weiterbehandlung transportiert werden.
Was bedeutet das EU-Projekt für den Standort Niebüll?
Für den Standort Niebüll und für die gesamte Region bedeutet „Christoph Europa 5“ ein deutlich erhöhtes Maß an verfügbarer notfallmedizinischer Kompetenz. Dies gilt insbesondere für die unseren Küsten vorgelagerten Inseln „hüben wie drüben“. Im Notfall ist ein Notarzt schnell vor Ort. Zudem ist es jetzt schneller möglich, spezialisierte medizinische Versorgungszentren und Schwerpunktkrankenhäuser zu erreichen. Nicht zuletzt hat mittel- bis langfristig ein Rettungshubschrauberstandort auch Auswirkungen auf die infrastrukturelle Entwicklung und positive wirtschaftliche Effekte.
Wie beurteilen Sie die deutsch-dänische Zusammenarbeit?
Die deutsch-dänische Zusammenarbeit ist in bestimmten Bereichen traditionell gut. Auf dem Gebiet der medizinischen und notfallmedizinischen Versorgung wird mit dem „Cross-Border Air Rescue” Projekt etwas Neues versucht: Zwei notfallmedizinische Versorgungssysteme, die unterschiedlich strukturiert sind, werden zusammengeführt. In Dänemark, insbesondere in der dänischen Westküstenregion, soll ein Rettungssystem etabliert werden, das sich in Deutschland bewährt hat. Das ist, wie ich meine, bisher gut gelungen. Beide Seiten nutzen die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. Die Zusammenarbeit verbessert sich laufend und der Teamgedanke der DRF schließt die dänischen Kollegen, Notärzte und Rettungsassistenten wie selbstverständlich ein.