Wie sind Sie zum INTERREG-Projekt „Grenzüberschreitende Luftrettung
zwischen Deutschland und Dänemark“gekommen und was ist Ihre Aufgabe im
Projekt?
Ich arbeite als Oberarzt in der Abteilung für Anästhesie am Krankenhaus Südjütland, Appenrade. Als Angestellter des dänischen Verwaltungsbezirkes Südjütland vertrete ich das Amt in der Projekt-Steuerungsgruppe. Ich leite dabei das Arbeitspaket 5, das sich mit projektrelevanter Aus- und Weiterbildung der Teilnehmer und mit medizinischen Fragen sowie eingeschränkt mit Forschung beschäftigt.
Mein beruflicher Werdegang mit Tätigkeiten in der Anästhesie und im Rettungsdienst in Dänemark und Deutschland, hat mich beide Gesundheitssysteme in praxi kennen lernen lassen. Vorklinische Notfallmedizin hat mich schon immer fasziniert, allerdings hatte ich bis dahin keine Gelegenheit, in der Luftrettung zu arbeiten. Als ich von unserem ärztlichen Leiter im Rettungsdienst auf dieses Projekt aufmerksam gemacht wurde, war mein Interesse schnell geweckt. Mich reizte auch die Möglichkeit, gestalterisch an einem innovativen Projekt mitzuarbeiten. Und ich muss sagen, dass ich diese Entscheidung noch nicht ein einziges Mal bereut habe.
Das Projekt verfolgt neben der qualitätsvollen Notfallrettung auch andere Ziele, wie z.B. Stärkung des Standorts und Qualifizierung von Arbeitskräften. Was halten Sie persönlich für das Wichtigste?
Ich halte den Austausch von fachlichen und menschlichen Erfahrungen für das Wichtigste in diesem Projekt. Jeder, der hier mitmacht - sei es in den Arbeitsgruppen oder im täglichen Einsatz auf dem Hubschrauber - muss sich mit den Gegebenheiten und den Menschen auf der anderen Seite der Grenze auseinandersetzen. Das schafft neue fachliche und menschliche Eindrücke, die dazu führen, dass man die eigene Routine hinterfragt. Das gilt nicht nur für jeden einzelnen. Die Gesundheitssysteme in Deutschland und Dänemark sind in Veränderung, ein Blick über die Grenze kann neue Ideen und Anregungen vermitteln, das eigene System weiterzuentwickeln.
Wie ist der Stand der Dinge im Projekt? Was haben Sie bisher erreicht?
Seit dem 1. April 2006 ist der Hubschrauber Christoph Europa 5 ca. 1.600 Mal zu Notfällen gerufen worden. Knapp 200 Einsätze führten Christoph Europa 5 nach Dänemark. Das sind Zahlen, die meine Erwartungen für das erste Jahr übertroffen haben.
Mit Aufnahme des Betriebes in Dänemark war schnell klar, dass man dort nicht nach deutschen Richtlinien verfahren kann. In Dänemark existiert zwar ein durchorganisiertes Rettungssystem, aber keine Luftrettung. Es musste unser Ziel sein, Angebote zu entwickeln, mit denen die Versorgung Schwerstkranker oder Verletzter durch Luftrettung in Dänemark noch verbessert werden kann. Dazu nutzen wir u.a. wissenschaftliche Untersuchungen sowie Erfahrungen, die die Deutsche Rettungsflugwacht in anderen Ländern gewonnen hat. Unser Projekt wird in Dänemark mit Spannung verfolgt, da derzeit die flächendeckende Einführung eines Luftrettungssystems diskutiert wird.
Was sind die nächsten Schritte?
Zunächst gilt es, das Angefangene fortzusetzen, d.h. den Hubschrauber dort, wo er indiziert ist, in die Verfahrensabläufe zu integrieren.
Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist gut, kann aber sicher noch verbessert werden. Darum wollen wir auch in Dänemark eine Broschüre herausgeben, um unser Projekt vorzustellen. Diese Broschüre ist derzeit in Vorbereitung. Auch in der Fachwelt wollen wir uns in absehbarer Zeit präsentieren und zeigen, dass der Hubschrauber für bestimmte Patientengruppen gerade in dieser Region Vorteile haben kann.
Bei der Grenzüberschreitenden Luftrettung geht es auch um Nachhaltigkeit. In Dänemark sollen in absehbarer Zeit mehrere Rettungshubschrauber stationiert werden. Wenn Christoph Europa 5 ein fester Bestandteil dieses Systems werden könnte, wäre das ein großer Erfolg für den Standort in Niebüll. Und auch für die weitere grenzüberschreitende Zusammenarbeit in diesem und anderen Projekten.